Patron Europas

Verehrung und Gedenktag

Seit Jahrhunderten wird der heilige Benedikt verehrt. 1964 erklärte ihn Papst Paul VI. zum Schutzpatron des ganzen Kontinents.

Schon bald nach seinem Tod wurde Benedikt als Heiliger verehrt. Papst Gregor der Grosse trug mit seiner Lebensbeschreibung um 593 entscheidend dazu bei, dass sein Ruf sich über Italien hinaus verbreitete. Über die Jahrhunderte wuchs die Verehrung, bis Benedikt zu einer der zentralen Heiligengestalten des Abendlandes wurde.

Der Gedenktag am 11. Juli

Die katholische Kirche begeht den Gedenktag des heiligen Benedikt am 11. Juli. Dieser Tag erinnert an die Übertragung seiner Gebeine. Sein Sterbetag, traditionell der 21. März, fällt fast immer in die Fastenzeit und wird daher seltener festlich begangen. Der 11. Juli ist in vielen benediktinischen Klöstern ein Hochfest, das mit feierlicher Liturgie begangen wird.

Patron Europas

Am 24. Oktober 1964 erklärte Papst Paul VI. den heiligen Benedikt zum Hauptpatron Europas. Der Anlass war die Wiederweihe der im Krieg zerstörten Abtei Montecassino. Der Papst würdigte damit, was Benedikt und seine Mönche für den Kontinent geleistet hatten: Sie hatten in dunklen Zeiten Glaube, Bildung und ein geordnetes Zusammenleben bewahrt.

Später, im Jahr 1980, stellte Papst Johannes Paul II. dem heiligen Benedikt weitere Patrone Europas zur Seite, darunter die Slawenapostel Cyrill und Method. Doch Benedikt blieb der erste und vornehmste unter ihnen, gleichsam der geistliche Vater des Abendlandes.

Mögen wir in unserer Todesstunde durch seine Gegenwart gestärkt werden. Inschrift der Benediktsmedaille

Wofür Benedikt angerufen wird

Der heilige Benedikt gilt als Patron für viele Anliegen. Traditionell wird er angerufen:

  • als Schutzpatron Europas
  • als Patron der Sterbenden, denn die Überlieferung erzählt von seinem Tod im Gebet
  • gegen Versuchung und die Macht des Bösen, was sich in der Benediktsmedaille ausdrückt
  • als Patron der Mönche, Lehrer und Schulkinder
  • gegen Vergiftung, in Erinnerung an den vergifteten Becher seines Lebens

Darstellung in der Kunst

In der bildenden Kunst erkennt man den heiligen Benedikt an festen Merkmalen. Er trägt das schwarze Gewand des Mönchs oder das Gewand eines Abtes mit Stab. In der Hand hält er meist die Regel oder ein Buch. Häufig sind ihm beigegeben:

  • der zerbrochene Becher, der auf den Giftanschlag verweist
  • der Rabe, der das vergiftete Brot forttrug
  • eine zerbrochene Schlange als Zeichen des besiegten Bösen
  • ein Abtstab und gelegentlich eine Mitra

Reliquien und Streit um das Grab

Eine eigene Geschichte ranken sich um die Gebeine des Heiligen. Nachdem das Kloster Montecassino im 6. Jahrhundert von den Langobarden zerstört worden war, lag der Ort über Jahrzehnte verlassen. Im 7. Jahrhundert sollen Mönche aus dem fränkischen Kloster Fleury an der Loire die Reliquien Benedikts und seiner Schwester Scholastika nach Frankreich gebracht haben. Bis heute beruft sich die Abtei Saint-Benoit-sur-Loire, das alte Fleury, auf den Besitz dieser Reliquien.

Montecassino wiederum hält daran fest, dass die Gebeine des Gründers nie vollständig fortgebracht wurden und sich weiterhin am ursprünglichen Ort befinden. Dieser fromme Streit zweier ehrwürdiger Klöster ist nie ganz beigelegt worden. Für die Gläubigen ist er weniger eine Frage des Beweises als ein Zeichen dafür, wie kostbar die Nähe zu diesem Heiligen empfunden wurde.

Das Erbe in Sprache und Kultur

Die Verehrung Benedikts zeigt sich nicht nur in Liturgie und Kunst, sondern auch in der Kultur Europas. Unzählige Orte, Kirchen und Schulen tragen seinen Namen. Der Vorname Benedikt und seine Formen, etwa Benoit, Benedetto oder Bennet, sind über den ganzen Kontinent verbreitet. Mehrere Päpste wählten den Namen Benedikt, zuletzt Papst Benedikt XVI., der bei seiner Wahl 2005 ausdrücklich auf den heiligen Benedikt von Nursia als Patron Europas und Mahner zur geistlichen Erneuerung verwies.

So lebt die Verehrung des Heiligen bis in die Gegenwart fort, sichtbar in grossen Gesten wie der Papstwahl und unscheinbar in den vielen kleinen Medaillen, die Menschen bei sich tragen. Beides gehört zusammen: die öffentliche Anerkennung und die stille, persönliche Frömmigkeit.

Feste und Bräuche

Rund um den heiligen Benedikt haben sich vielfältige Bräuche entwickelt. In benediktinischen Klöstern wird der 11. Juli mit feierlicher Liturgie, festlichem Mahl und oft mit einem Tag der offenen Tür begangen. An manchen Orten werden an diesem Tag Benediktsmedaillen und Kräuter gesegnet, ein alter Brauch, der auf die Verbindung des Heiligen mit Heilung und Schutz verweist.

In einigen Gegenden ist auch der sogenannte Benediktussegen verbreitet, ein Segensgebet, das um Schutz für Haus und Familie bittet. Solche Bräuche sind nicht abergläubisch gemeint. Sie drücken den Wunsch aus, den Alltag unter Gottes Segen zu stellen, und knüpfen an die Worte der Medaille an, die das Kreuz Christi ins Zentrum rücken.

Verehrung heute

Die Verehrung des heiligen Benedikt ist bis heute lebendig. Sein Grab in Montecassino wird von Pilgern besucht. Seine Medaille wird weltweit getragen. Und seine Regel prägt das Leben unzähliger Mönche und Nonnen. Vor allem aber bleibt er ein geistlicher Lehrer, dessen schlichte Weisheit gerade in unruhigen Zeiten viele Menschen anspricht.

Wer den heiligen Benedikt verehrt, ehrt nicht zuletzt eine Haltung: das beharrliche Suchen nach Gott, das Mass und den Frieden. Mehr über die Orte seines Wirkens erfahren Sie auf der Seite Orte und Klöster.