Montecassino, immer wieder auferstanden
Kaum ein Kloster hat eine so bewegte Geschichte wie Montecassino. Schon im Jahr 577 zerstörten die Langobarden die junge Gründung, die Mönche flohen nach Rom. Im 8. Jahrhundert wurde die Abtei wieder aufgebaut und erlebte eine erste Blüte. 883 verwüsteten Sarazenen den Ort. Im Mittelalter wurde Montecassino dann zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit und Buchkunst.
Die schwerste Zerstörung kam im Februar 1944. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Abtei bei den Kämpfen um die Gustav-Linie durch Bombenangriffe fast vollständig vernichtet. Nach dem Krieg baute man sie originalgetreu wieder auf, getreu dem Grundsatz, mit dem die Mönche das Trummerfeld betrachteten: dort, wo es war, und so, wie es war. 1964 weihte Papst Paul VI. die wiedererrichtete Kirche und erklärte Benedikt zum Patron Europas.
Subiaco, der Ursprung der Stille
Wer Subiaco besucht, versteht, warum der junge Benedikt hier Gott suchte. Das Kloster San Benedetto ist in den Fels gebaut, über der Höhle, in der er gelebt haben soll. Die Wande sind mit Fresken aus mehreren Jahrhunderten bedeckt. Hier befindet sich auch ein Bildnis, das Benedikt noch ohne Heiligenschein zeigt und vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammt. Es gilt als das älteste erhaltene Porträt des Heiligen.
Norcia, die Heimat
Norcia, das antike Nursia, liegt in einer stillen Hochebene Umbriens. Die Stadt ist bis heute eng mit ihrem grossen Sohn verbunden. Die Erdbeben von 2016 haben schwere Schäden hinterlassen, doch der Wiederaufbau schreitet voran. Eine internationale Mönchsgemeinschaft hat sich hier niedergelassen und führt das Gebet und die Arbeit fort, ganz im Geist der Regel.
Warum diese Orte bis heute ziehen
Es ist bemerkenswert, dass Menschen seit fast anderthalb Jahrtausenden zu diesen drei Orten reisen. Sie suchen dort nicht nur Geschichte, sondern etwas Gegenwärtiges: die Erfahrung der Stille, die Benedikt selbst suchte. Wer den Sacro Speco in Subiaco betritt oder im Chorgestühl von Montecassino sitzt, spürt etwas von der Ruhe, aus der heraus die Regel geschrieben wurde.
Anders als viele berühmte Wallfahrtsorte sind die Stätten Benedikts keine Orte spektakulärer Wunder. Ihre Anziehungskraft ist leiser. Sie liegt in der Treue der Gemeinschaften, die dort seit Jahrhunderten beten und arbeiten, und in der Landschaft selbst, die zur Sammlung einlädt. Gerade diese Schlichtheit entspricht dem Geist des Heiligen.
Pilgern auf Benedikts Spuren
Die drei Orte lassen sich gut zu einer Reise verbinden. Viele Pilger folgen den Stationen seines Lebens von Norcia über Subiaco bis Montecassino. Es ist eine Reise durch eine schöne Landschaft, vor allem aber durch die Geschichte eines Mannes, der aus der Stille kam und das Abendland geprägt hat.
Wer eine solche Reise plant, sollte Zeit mitbringen. Die Orte erschliessen sich nicht im Vorbeigehen. In vielen Klöstern ist es möglich, am Stundengebet teilzunehmen oder einige Tage im Gästehaus zu verbringen. Gerade das Mitleben im Rhythmus von Gebet und Stille vermittelt mehr als jede Besichtigung. Es ist die lebendigste Weise, dem heiligen Benedikt zu begegnen. Wer mehr über die Gemeinschaften erfahren möchte, die diese Orte heute tragen, findet das auf der Seite zum Benediktinerorden.