Benediktinische Gebete
Eine Sammlung von Gebeten aus der benediktinischen Tradition: für den Morgen, den Abend, die Arbeit und für Zeiten, in denen man Halt sucht.
Das Gebet steht im Herzen des benediktinischen Lebens. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden, schreibt Benedikt in seiner Regel. Die folgenden Gebete stammen aus der reichen Tradition des Ordens und der Kirche. Sie lassen sich allein beten, in der Familie oder in der Gemeinschaft. Manche sind alt und ehrwürdig, andere schlicht. Allen gemeinsam ist, dass sie den Tag und das Leben Gott anvertrauen.
Das Gebet des heiligen Benedikt
Gnädiger und heiliger Vater,
gib mir die Weisheit, dich zu erkennen,
die Einsicht, dich zu verstehen,
die Ausdauer, dich zu suchen,
die Geduld, auf dich zu warten,
Augen, die dich schauen,
ein Herz, das dich betrachtet,
und ein Leben, das von dir kündet.
Morgengebet
Herr, öffne meine Lippen,
damit mein Mund dein Lob verkünde.
Gott, komm mir zu Hilfe,
Herr, eile, mir zu helfen.
Gebet vor der Arbeit
Herr, alles, was ich heute beginne,
will ich mit dir beginnen.
Segne die Arbeit meiner Hände,
dass sie dir zur Ehre und den Menschen zum Nutzen sei,
und lass mich in allem das rechte Mass finden.
Abendgebet
Bleibe bei uns, Herr,
denn es will Abend werden,
und der Tag hat sich geneigt.
Bewahre uns in dieser Nacht,
schenke uns einen ruhigen Schlaf
und ein erwachen in deinem Frieden.
Gebet um Frieden
Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.
Vade Retro – Gebet um Schutz
Das heilige Kreuz sei mir Licht,
niemals sei der Drache mir Führer.
Weiche zurück, Satan,
rate mir niemals Eitles.
Böse ist, was du reichst,
trink selbst dein Gift.
Gebet um ein gutes Mass
Herr, lehre mich das rechte Mass.
Bewahre mich vor der Hast, die nichts vollendet,
und vor der Trägheit, die nichts beginnt.
Schenke mir Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe,
Zeiten des Redens und Zeiten des Schweigens,
und in allem ein Herz, das auf dich hört.
Gebet für unterwegs
Geleite mich, Herr, auf meinem Weg.
Sei vor mir, um mir die Richtung zu weisen,
sei neben mir, um mir Gefährte zu sein,
sei hinter mir, um mich zu bewahren,
und führe mich heim in deinen Frieden.
Wie man benediktinisch betet
Benediktinisches Beten lebt von der Wiederholung und vom Rhythmus. Es geht nicht darum, immer neue Worte zu finden, sondern dieselben Worte so oft zu sprechen, bis sie ins Herz sinken. Die Psalmen bilden dabei das Rückgrat. Über Jahrhunderte haben Mönche und Nonnen den ganzen Psalter Woche für Woche durchgebetet.
Im Zentrum steht das Stundengebet, auch Opus Dei oder Werk Gottes genannt. Mehrmals täglich unterbrechen die Mönche ihre Arbeit, um sich zum gemeinsamen Gebet zu versammeln. Die wichtigsten Zeiten sind die Laudes am Morgen und die Vesper am Abend. Dazwischen liegen weitere kurze Gebetszeiten, und die Nacht wird von der Vigil unterbrochen. So wird der ganze Tag, vom ersten bis zum letzten Licht, in das Gebet hineingenommen.
Auch für das Gebet zu Hause gilt, dass Beständigkeit wichtiger ist als Menge. Eine feste, kurze Gebetszeit am Morgen und am Abend trägt mehr als seltene grosse Vorsätze. Wer regelmässig betet, entdeckt mit der Zeit, dass das Gebet kein zusätzliches Tun ist, sondern der Ort, an dem der Tag seine Mitte findet.
Viele Menschen beginnen mit einem einzigen Psalm am Morgen oder einem kurzen Gebet vor dem Schlafengehen. Mit der Zeit entsteht daraus ein eigener Rhythmus. Das Schöne an der benediktinischen Tradition ist, dass sie niemanden überfordert. Sie lädt ein, klein anzufangen und treu zu bleiben. Wer mehr über die Haltung hinter diesem Beten erfahren möchte, findet sie auf der Seite zum christlichen Glauben.